Potsdam in der Taxikrise

Taxi Berlin 4. März 2017
Potsdam in der Taxikrise

Potsdam in der Taxikrise ein ausführlicher Bericht

Postdam die Landeshauptstadt von Brandenburg hat so einiges zu bieten. Doch wer als Tourist die Stadt erkunden möchte, der wird schnell mit einem Problem konfrontiert, Fortbewegungsmittel wie ein Taxi gleichen nämlich einem Glücksspiel. Hat man Glück, bekommt man ein Taxi. Doch selbst wenn die Taxizentrale einem ein Taxi schicken kann, muss man viel, sogar sehr viel Geduld mitbringen. Wartezeiten von einer Stunde sind eher die Regel, als die Ausnahme. Doch immer öfter muss die Taxizentrale in Potsdam Kunden abweisen, da keine Fahrzeuge verfügbar sind. Natürlich sind von diesem Problem nicht nur Touristen betroffen, sondern auch Geschäftsleute die in die Stadt kommen und natürlich die Bürgerinnen und Bürger von Potsdam. Das sorgt natürlich für viel Ärger in der Stadt, insbesondere wenn man wichtige Termine oder zum Beispiel Anschlussverbindungen erreichen möchte. Die Lage ist brisant, aus diesem Grund spricht man in Potsdam mittlerweile auch von einer Taxi-Krise.

Der Grund der Taxi-Krise in Potsdam

Bevor wir uns mit der Taxi-Krise in Potsdam und der Ursache beschäftigen, schauen wir uns den aktuellen Ist-Zustand in der Stadt an. Aktuell gibt es laut der Stadtverwaltung rund 97 Unternehmen im Taxigewerbe. Diese Unternehmen unterhalten 174 Taxis in der Stadt. Problem hierbei, es sind zwar ausreichend Unternehmen vorhanden, aber nicht die Anzahl der Taxis ist nicht ausreichend. Zumal nicht jedes der Taxis das über eine Konzession verfügt, auch betrieben wird. So werden aktuell von den 174 Taxis nur 130 noch betrieben. Der Grund dafür, wenn man den Verband der Taxiunternehmen in Potsdam hört, der Mindestlohn. Dieser wurde 2015 von der Bundespolitik eingeführt und muss natürlich von den Unternehmen die Mitarbeiter beschäftigen, auch eingeführt werden. Doch gerade dieser Umstand und die vorhandenen Tarife für Taxifahrten führte dazu, dass ein Betrieb für die Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Kosten für den Unterhalt der Taxis, aber auch die Mitarbeiterkosten können nicht mehr erwirtschaftet. Dieser Umstand herrscht erst seit der Einführung vom Mindestlohn. Früher erfolgte nämlich die Bezahlung nach einem anderen Muster. So bestand die Bezahlung der Taxifahrer aus einem Grundgehalt und einer Umsatzbeteiligung. Je mehr Fahrgäste man gefahren hat, umso höher war letztlich am Monatsende für den Taxifahrer auch der Verdienst. Diese Art der Bezahlung ist mit dem Mindestlohn nicht vereinbar. Dementsprechend wurde von vielen Unternehmen Arbeitsplätze abgebaut und damit auch die Verfügbarkeit von Taxis. Wobei es auch Unternehmen gibt, die die Arbeitszeiten reduziert haben und so zum Beispiel in den Nachtstunden keine Taxis mehr besetzen. Der Abbau von Taxifahrern untermauert der Verband auch mit Zahlen, so gab es vor dem Mindestlohn 2015 noch 280 Taxifahrer, mittlerweile sind es nur noch 200. Nicht nur aber bei den Zahlen der Mitarbeiter hat sich etwas geändert, sondern auch bei den Beschäftigungsformen. Während früher die Taxifahrer in Vollzeit mit der bereits genannten Bezahlung beschäftigt wurden, hat sich dieses zum negativen geändert. So erfolgt jetzt die Beschäftigung überwiegend auf Basis von einem Minijob oder auf Teilzeit. Wenn man sich die Taxi-Branche in Potsdam anschaut, kommt man schnell zum Ergebnis, der Mindestlohn und die Tarifgestaltung alleine ist nicht die Ursache für die Krise. Ein weiterer Grund ist der fehlende Nachwuchs, so sind zahlreiche Unternehmen aus dem Markt verschwunden. Aus dem Taxiverband hört man hier als Gründe, die schlechte Bezahlung, das schlechte Image und der Mindestlohn. Es gab aber auch natürliche Gründe, wie das Unternehmer in Rente gegangen sind und damit ihr Geschäft aufgaben. Letztlich beißt sich hier aber die Katze auch selbst in den Schwanz. Wenn die Mehrzahl der Taxifahrer zunehmend in schlechte Beschäftigungsverhältnisse wie Minijob oder Teilzeit beschäftigt werden, steigert dies natürlich nicht die Attraktivität vom Beruf. Dementsprechend ist die Spirale von einem weiteren Abbau oder einem schlechten Service fast schon vorprogrammiert.

So reagiert die Politik

Natürlich hat die Taxi-Krise und die Folgen für die Stadt, mittlerweile auch das Rathaus und die Stadtverordnetenversammlung erreicht. Auch weil sich die Beschwerden der Hotels der Stadt und der Industrie-und Handelskammer häufen. Schließlich ist Potsdam nicht gerade eine kleine unwichtige Stadt, sondern auch Sitz eines Landtages und einer Landesregierung. An der Ursache für die Krise, nämlich dem Mindestlohn kann natürlich die Kommunalpolitik in Potsdam nichts ändern, da es sich hier um Bundesgesetze handelt. Bevor man handelt, hat die Stadtverwaltung ein Gutachten in Auftrag gegeben, in denen die Ursachen und die Lösung beleuchtet werden sollte. Im Ergebnis kamen die Gutachten zu einer Erhöhung der Taxi-Tarife um 10 Prozent. Beschlossen ist das aber noch nicht, mit einem Beschluss ist vor der Sommerpause 2017 auch nicht zu rechnen. Wobei der Taxiverband in Potsdam mit dieser Lösung nicht einverstanden ist. So seien die 10 Prozent im Hinblick auf den Mindestlohn, aber auch aufgrund der steigenden Kraftstoff und Unterhaltskosten für die Taxis zu gering. Wobei bei der angedachten Erhöhung vom Tarif, nicht die Kosten wie die Einschaltgebühr berücksichtigt werden. Unter der Einschaltgebühr versteht man den Zeitpunkt, ab dem die Uhr vom Fahrer eingeschalten wird. Sie beträgt pauschal 3.50 Euro und bei mehr als fünf Fahrgästen steigt sich diese auf 7.00 Euro. Diese pauschalen Sätze sind laut den Taxifahrern zu gering, da hier nicht berücksichtigt wird, ob das Taxi eine Anfahrt zum Fahrgast hat oder zum Beispiel direkt der Fahrgast einsteigt. Auch ist die Gebühr zu gering, sodass Wartezeiten zwischen den Aufträgen finanziell gedeckt werden können. Dementsprechend erwartet der Taxi-Verband hier eine Korrektur und deutliche Erhöhung der Gebühr. Damit zukünftig alle Kosten von den Unternehmen abgedeckt werden können.

Zu starke Erhöhungen bei den Taxi-Tarifen kann aber auch eine Gefahr für die Taxiunternehmen sein. So sieht man bei der Stadtverwaltung, aber auch beim Taxiverband die Gefahr, dass Fahrgäste in andere Bereiche abwandern. Sei es in Mitfahrbörsen und privaten Diensten, in den Mietwagenbereich oder in das Carsharing. Auch Anbieter von Fernbusreisenkönnen Einfluss auf das Geschäft in Potsdam nehmen. Doch sollte es so kommen, kann man dies den Fahrgästen nicht verübeln. Schließlich möchte jeder Fahrgast an sein Ziel und wird dementsprechend nach Möglichkeiten suchen, wie dies gelingen kann.

Beim Umfang der Erhöhungen, muss von Stand und Stadt und Verband noch mehr bedacht werden, als nur das Geschäft innerhalb der Stadtgrenzen. So müssen die Taxitarife auch mit der Konkurrenz außerhalb der Stadt mithalten können. Dies ist gerade für das Ferntourengeschäft zu den Berliner Flughäfen oder in das Berliner Umland von großer Bedeutung. Schließlich machen diese Ferntouren rund ein Drittel der Umsätze der Potsdamer Taxiunternehmen aus. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Stadtverwaltung und Taxiverband in einer Zwickmühle sehen. Sie brauchen höhere Vergütungen, dürfen hierbei aber nicht ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren und Kunden abschrecken. Ob dieser Spagat in der Landeshauptstadt gelingt, bleibt abzuwarten. Für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, aber auch für die Wirtschaft und die Touristen wäre es wünschenswert, wenn es in Potsdam wieder einen vernünftigen Taxiverkehr mit auskömmlichen Preisen und möglichst kurzen Wartezeiten geben würde.